Häufig gestellte Fragen
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Unsere Produkte werden sowohl lokal als auch global hergestellt. Wir wählen unsere Herstellungspartner sorgfältig aus, um sicherzustellen, dass unsere Produkte von hoher Qualität und zu einem fairen Preis sind.
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Warum wird mein Joghurt nicht fest
Wenn der selbstgemachte Joghurt eher an Milchshake als an stichfesten Joghurt erinnert, liegt das fast immer an den Lebensbedingungen der Joghurtkulturen. Diese winzigen Helfer sind nämlich echte Feinschmecker und brauchen perfekte Bedingungen, um die Milch in cremigen Joghurt zu verwandeln.
Hier sind die 3 wichtigsten Erfolgsfaktoren, damit es beim nächsten Mal garantiert klappt:
1. Das Temperatur-Optimum: Das Wohlfühlklima bei 40–45 °C
Die Joghurtbakterien sind wärmeliebend (thermophil). Sie arbeiten nur dann auf Hochtouren, wenn die Milch eine Temperatur zwischen 40 °C und 45 °C hat.
- Zu kalt? Unter 38 °C fallen die Bakterien in eine Art Winterschlaf und die Milch bleibt flüssig.
- Zu heiß? Ab ca. 47 °C sterben die empfindlichen Kulturen ab – dann wird der Joghurt leider gar nicht mehr fest.
2. Perfektes Teamwork: Kulturen gleichmäßig verteilen
Damit die Fermentation überall im Glas gleichzeitig startet, müssen die Kulturen (ob Pulver oder ein Löffel fertiger Joghurt) vollständig und gleichmäßig in der warmen Milch verrührt werden. Bleiben Klümpchen zurück oder wird nicht richtig durchgemischt, wird der Joghurt ungleichmäßig, klumpig oder bleibt stellenweise flüssig.
3. Die Ruhephase: 6–8 Stunden absolute Konstanz
Die Bakterien brauchen Zeit, um den Milchzucker in Milchsäure umzuwandeln, wodurch das Milcheiweiß gerinnt und fest wird. Während dieser 6 bis 8 Stunden ist eine gleichbleibende Temperatur das A und O. Am besten klappt das in einem Joghurtbereiter, einer Kochkiste oder im leicht angewärmten Ofen.
- Wichtig: In dieser Zeit die Gläser absolut in Ruhe lassen und nicht bewegen, da Erschütterungen das entstehende Eiweißgerüst wieder zerstören können!
Der Geheimtipp: Joghurt „zieht im Kühlschrank nach“
Wundere dich nicht, wenn der Joghurt direkt nach den 8 Stunden im Joghurtbereiter noch etwas warm und leicht flüssig wirkt. Das ist völlig normal!
Erst durch die anschließende Lagerung im Kühlschrank (am besten für mindestens 12 Stunden) stoppt der Säuerungsprozess, die Fetttröpfchen verfestigen sich und das Eiweißgerüst stabilisiert sich endgültig. Der Joghurt zieht im Kühlschrank nach und bekommt erst dort seine wunderbar cremige, feste Konsistenz.
Warum ist meine Käsegallerte nicht richtig Schnittfest
Das Geheimnis der perfekten Käsegallerte: Warum die Wahl der Milch über Erfolg und Misserfolg entscheidet
Wer schon einmal versucht hat, Käse herzustellen, weiß: Die Käsegallerte – die gallertartige Masse, die durch die Zugabe von Lab entsteht – ist das Fundament für jeden guten Käse. Doch warum wird die Gallerte manchmal wunderbar fest und ein anderes Mal bleibt sie weich oder flockig?
Der Schlüssel liegt in der Milchqualität und der thermischen Behandlung.
Rohmilch vs. erhitze Milch: Die 72-Grad-Grenze
Milch ist ein lebendiges Produkt, dessen Eiweißstrukturen (insbesondere das Casein) extrem empfindlich auf Hitze reagieren.
- Frische Rohmilch (der Goldstandard): Rohmilch wurde nicht stark erhitzt. Ihre natürlichen Eiweiße und Calcium-Verbindungen sind völlig intakt. Das Lab kann optimal arbeiten und es entsteht eine wunderbar elastische, feste Gallerte.
- Pasteurisierte Milch (frische Milch aus dem Kühlregal): Diese Milch wird meist kurzzeitig auf etwa 72 °C bis 75 °C erhitzt. Ab dieser Temperatur von 72 °C verändern sich die Molkenproteine (sie denaturieren) und legen sich wie ein Schutzschild um die Caseine. Zudem wird das lebenswichtige, lösliche Calcium fest gebunden. Die Folge: Die Fähigkeit der Milch, eine feste Gallerte zu bilden, nimmt rapide ab.
Der Rettungsanker: Warum wir Calciumchlorid dazugeben
Um den Verlust an aktivem Calcium bei pasteurisierter Milch auszugleichen, gibt es einen einfachen, natürlichen Kniff: die Zugabe von Calciumchlorid ($CaCl_2$).
Indem wir der Milch wieder gut verfügbares Calcium hinzufügen, unterstützen wir das Lab. Die Eiweißfäden können sich wieder stabil miteinander vernetzen, wodurch die Gallerte trotz der vorherigen Pasteurisierung fest und elastisch wird und sich der Käsebruch sauber schneiden lässt.
Das absolute No-Go: Warum mit H-Milch kein Käsen möglich ist
Ultrahocherhitze Milch (H-Milch) wird bei der Herstellung auf bis zu 135–150 °C erhitzt.
Bei diesen extremen Temperaturen werden die empfindlichen Eiweißstrukturen der Milch so stark und dauerhaft zerstört, dass sie absolut keine Bindung mehr eingehen können. Das Lab ist hier völlig wirkungslos. Mit H-Milch ist die Herstellung von Käse daher schlichtweg unmöglich – sie wird niemals eine feste Gallerte bilden, selbst wenn man Calciumchlorid hinzugibt.
Unser Tipp für deinen Käseerfolg:
Nutze für deine Käse-Projekte am besten frische Roh- oder Vorzugsmilch direkt vom Bauern oder greife im Supermarkt zur traditionell hergestellten, pasteurisierten Frischmilch (auf der Packung steht meist „traditionell hergestellt“ – bitte nicht „länger haltbar“ bzw. ESL-Milch wählen) und gib für eine perfekte Gallerte immer ein paar Tropfen Calciumchlorid hinzu!
Warum habe ich grüne oder schwarze Punkte auf dem Käse
„Huch, was wächst denn da? Grüne, schwarze oder bunte Punkte auf dem Käse“
Du freust dich auf deinen selbstgemachten Käse und entdeckst plötzlich kleine farbige Punkte? Keine Panik! Beim traditionellen Käsen zu Hause kann es ab und zu zu einer sogenannten Reinfektion kommen. Das bedeutet einfach, dass sich unerwünschte Keime oder wilde Schimmelsporen aus der Luft auf der Käserinde niedergelassen haben.
Die Ursachen dafür können sehr vielseitig sein – von winzigen Schwankungen bei der Luftfeuchtigkeit im Reiferaum bis hin zur Hygiene während der Herstellung.
Wir lassen dich nicht im Regen stehen:
- Schau in unser Rezeptbuch: Dort haben wir ein ausführliches Kapitel zur Fehlerbehebung und zur richtigen Pflege der Käserinde für dich zusammengestellt.
- Frag uns direkt: Bist du unsicher, ob dein Käse noch zu retten ist? Schick uns einfach eine Nachricht und hänge am besten direkt ein Foto deines Käses an. Wir schauen uns das gemeinsam an und helfen dir gerne weiter!
Welche Milchsorten gibt es überhaubt
Für die Herstellung von Joghurt und Käse ist die Wahl der richtigen Milch der wichtigste Erfolgsfaktor. Milch ist nämlich nicht gleich Milch! Sie unterscheidet sich vor allem durch die Art der Erhitzung (Wärmebehandlung) und den Fettgehalt.
Hier ist eine Übersicht über die verschiedenen Milchsorten, was sie auszeichnet und wofür sie sich am besten eignen:
1. Nach der Wärmebehandlung (Der wichtigste Faktor)
Rohmilch & Vorzugsmilch (Unbehandelt)
- Was ist das? Milch, die direkt vom Bauernhof kommt und völlig unbehandelt (weder erhitzt noch homogenisiert) ist. „Vorzugsmilch“ ist eine streng kontrollierte Rohmilch, die es auch im Bioladen oder Reformhaus zu kaufen gibt.
- Eigenschaften: Alle natürlichen Eiweißstrukturen, Vitamine und das wertvolle Calcium sind vollkommen intakt.
- Wofür geeignet?Käse: Hervorragend (Der Goldstandard!). Sie liefert die stabilste und beste Käsegallerte.Joghurt: Sehr gut geeignet, sollte aber für Joghurt vorab einmal auf ca. 85 °C erhitzt werden, um fremde Keime zu reduzieren, damit die Joghurtkulturen ungestört arbeiten können.
Frischmilch „traditionell hergestellt“ (Pasteurisiert)
- Was ist das? Diese Milch wird kurzzeitig auf ca. 72 °C bis 75 °C erhitzt (pasteurisiert). Du findest sie im Kühlregal (meist mit dem Aufdruck „traditionell hergestellt“). HTML
- Eigenschaften: Durch die Erhitzung auf über 72 °C nimmt die natürliche Fähigkeit zur Gallertenbildung ab, da sich Proteine verändern und Calcium gebunden wird. HTML
- Wofür geeignet?Käse: Gut geeignet, allerdings solltest du hier unbedingt Calciumchlorid (CaCl2) hinzugeben, um das gebundene Calcium auszugleichen und eine feste Gallerte zu bekommen. HTMLJoghurt: Hervorragend. Direkt bereit für die Joghurtbereitung.
ESL-Milch / „Länger haltbare“ Frischmilch
- Was ist das? „ESL“ steht für Extended Shelf Life. Sie wird meist mikrofiltriert und höher erhitzt (auf bis zu 127 °C). Sie steht ebenfalls im Kühlregal, hält sich aber ungeöffnet bis zu drei Wochen.
- Eigenschaften: Die Eiweißstrukturen sind durch die stärkere Hitze bereits deutlich angegriffen.
- Wofür geeignet?Käse: Eher ungeeignet. Die Gallerte wird oft zu weich oder flockig, selbst mit Calciumchlorid.Joghurt: Sehr gut geeignet. Da das Eiweiß leicht denaturiert ist, kann der Joghurt hier sogar besonders cremig werden.
H-Milch (Ultrahocherhitzt)
- Was ist das? Milch, die ungekühlt monatelang haltbar ist. Sie wird extrem hoch erhitzt (auf bis to 135–150 °C). HTML
- Eigenschaften: Die Eiweißstrukturen sind völlig zerstört und können sich nicht mehr vernetzen. HTML
- Wofür geeignet?Käse: Absolutes No-Go! Mit H-Milch ist das Käsen unmöglich, da die Milch niemals fest wird. HTMLJoghurt: Sehr gut geeignet. H-Milch-Joghurt wird oft wunderbar cremig und gelingt extrem zuverlässig, da keine Fremdkeime den Prozess stören.
2. Nach dem Fettgehalt (Für die Konsistenz)
- Vollmilch (mind. 3,5 % Fett oder naturbelassener Fettgehalt von ca. 3,8–4,2 %):Käse & Joghurt: Die beste Wahl! Fett ist ein hervorragender Geschmacksträger. Vollmilch-Joghurt wird herrlich cremig und Vollmilch-Käse bekommt eine wunderbare Textur und ein reiches Aroma.
- Fettarme Milch (1,5 % bis 1,8 % Fett):Käse & Joghurt: Geeignet für kalorienreduzierte Varianten. Der Joghurt wird allerdings deutlich flüssiger und der Käse fester/trockener im Biss.
- Mager-/Entrahmte Milch (0,1 % bis 0,5 % Fett):Käse & Joghurt: Nur für speziellen Sauermilchkäse (wie Harzer Roller) oder extrem fettfreien Joghurt zu empfehlen. Der Joghurt benötigt meist Bindemittel (wie Magermilchpulver), um überhaupt fest zu werden.
3. Nach der Tierart (Für den besonderen Geschmack)
- Kuhmilch: Der Allrounder. Mild im Geschmack, überall erhältlich und gelingt immer.
- Ziegenmilch: Hat einen feinen, charakteristischen Geschmack. Ziegenmilch-Proteine sind weicher, weshalb Ziegenjoghurt von Natur aus etwas flüssiger bleibt als Kuhmilchjoghurt. Hervorragend für Ziegenfrischkäse und Feta.
- Schafmilch: Sehr fett- und eiweißreich. Joghurt und Käse (wie echter Schafskäse oder Roquefort) aus Schafmilch werden extrem cremig, vollmundig und fest.
Zusammenfassung für deine Küche:
- Möchtest du Käse machen? Greife zu frischer Rohmilch vom Bauern oder traditioneller Frischmilch aus dem Kühlregal (unter Zugabe von Calciumchlorid). HTML
- Möchtest du Joghurt machen? Hierfür eignet sich pasteurisierte Frischmilch, ESL-Milch oder H-Milch ideal.
Hygine
Beim Käsen, Joghurtmachen und der Milchverarbeitung arbeiten wir mit lebendigen Organismen. Das bedeutet: Wo sich die „guten“ Milchsäurebakterien wohlfühlen, finden leider auch unerwünschte Keime, Hefen und Schimmelsporen ein absolutes Schlaraffenland.
Die Einhaltung von Hygiene, Reinigung, richtiger Lagerung und den Grundsätzen der GMP (Good Manufacturing Practice / Gute Herstellungspraxis) entscheidet am Ende darüber, ob du köstlichen Käse oder ein Fall für die Biotonne produzierst.
Die 4 Säulen für sicheren Genuss
1. Hygiene: Der Schutzschild für deine Kulturen
Milch ist extrem empfindlich. Jede Verunreinigung stört die nützlichen Milchsäurebakterien bei der Arbeit.
- Persönliche Hygiene: Gründliches Händewaschen und -desinfizieren vor jedem Arbeitsschritt ist Pflicht. Keine Haustiere in der Küche, während gekäst wird.
- Arbeitsumgebung: Die Arbeitsflächen müssen absolut sauber und frei von anderen Lebensmitteln (z. B. Brotkrümeln, die Hefe enthalten) sein.
2. Reinigung & Desinfektion: Sauber ist nicht steril
Es gibt einen großen Unterschied zwischen „sieht sauber aus“ und „mikrobiologisch rein“.
- Rückstände entfernen: Milchfett und Eiweiß bilden einen unsichtbaren Film (Biofilm) auf Töpfen, Formen und Messern, in dem sich Bakterien einnisten.
- Heiß reinigen: Alle Utensilien, die mit der Milch in Berührung kommen (Käsetücher, Formen, Thermometer, Rührer), sollten vor der Verwendung am besten ausgekocht oder mit lebensmittelechten Desinfektionsmitteln behandelt werden.
3. Lagerung: Frische sichern, Verderb verhindern
Sowohl deine Zutaten als auch dein fertiges Produkt brauchen die richtige Umgebung.
- Zutaten kühl halten: Starterkulturen und Lab sind extrem hitzeempfindlich. Sie gehören ins Gefrierfach bzw. in den Kühlschrank. Werden sie zu warm, sterben die Bakterien ab und die Milch gerinnt nicht mehr.
- Reifung kontrollieren: Käse muss bei der richtigen Temperatur und Luftfeuchtigkeit lagern. Ist es zu feucht, droht Schimmel; ist es zu trocken, reißt die Rinde.
4. GMP (Gute Herstellungspraxis): Struktur bringt Sicherheit
In der professionellen Lebensmittelherstellung ist GMP der Standard. Für dich im Shop oder in der heimischen Küche bedeutet das übersetzt: Arbeite mit System!
- Schritt-für-Schritt-Protokoll: Halte dich exakt an die Rezepturen, Temperaturen und Zeiten.
- Rückverfolgbarkeit: Notiere dir (besonders wenn du Käse verkaufst), welche Milchcharge und welche Kulturen du wann verwendet hast.
- Fehlervermeidung: Durch standardisierte Abläufe schließt du aus, dass versehentlich Schritte übersprungen werden oder unsauberes Werkzeug benutzt wird.
Fazit:
Hygiene ist beim Käsen kein lästiges Übel, sondern Zutatenqualität Nummer 1. Erst durch kompromisslose Sauberkeit und strukturierte Abläufe gibst du deinen Kulturen die Chance, genau das zu tun, was sie am besten können: fantastischen, sicheren und leckeren Käse zu zaubern!
Welche Kultur ist für was
Grundsätzlich unterscheidet man beim Käsen und Joghurtmachen zwischen Säuerungskulturen (die den Milchzucker in Milchsäure umwandeln) und Reifungskulturen (die für das Aussehen, die Rinde und das typische Aroma sorgen).
I. Die Säuerungskulturen (Joghurt & Käse-Basis)
1. Joghurtkultur
- Art: Thermophile (wärmeliebende) Bakterien (meist Lactobacillus bulgaricus und Streptococcus thermophilus).
- Wofür: Ausschließlich für die Herstellung von Joghurt (bei Temperaturen um 40–45 °C).
- Was sie macht: Sie wandelt Milchzucker extrem schnell in Milchsäure um und sorgt für das typische, frisch-säuerliche Joghurtaroma und die typische Viskosität.
2. ME Kultur (Mesophile Einzel- oder Mehrstammkultur)
- Art: Mesophile (mittlere Temperaturen liebende) Kulturen (Arbeitstemperatur ca. 22–30 °C).
- Wofür: Für fast alle Weichkäse, Frischkäse, Quark, Feta und Schnittkäse (wie Gouda, Edamer oder Tilsiter).
- Was sie macht: Sie sorgt für eine langsame, milde Säuerung. Sie ist die absolute Standard-Käsekultur für alles, was nicht hoch erhitzt wird.
3. TME Kultur (Thermophile-Mesophile-Mischkultur)
- Art: Eine Kombination aus wärmeliebenden (thermophilen) und gemäßigten (mesophilen) Bakterien.
- Wofür: Ideal für Hartkäse (wie Parmesan, Bergkäse oder Emmentaler) und bestimmte Schnittkäse, die beim Herstellen höher „gebrannt“ (erhitzt auf über 40 °C) werden.
- Was sie macht: Während die mesophilen Anteile am Anfang arbeiten, übernehmen die thermophilen Bakterien, sobald die Käsemasse im Topf stärker erwärmt wird. Das sorgt für eine stabile Säuerung bei hohen Temperaturen und eine optimale Reifung bei langen Lagerzeiten.
4. LHT Kultur & LHTBM Kultur
- Art: Spezifische thermophile (LHT = Lactobacillus helveticus / Streptococcus thermophilus) und mesophile Mischungen, oft zusätzlich mit Bacterium margaritatum oder speziellen Aromabildnern (LHTBM).
- Wofür:LHT: Perfekt für italienische Käsesorten (wie Mozzarella, Provolone) sowie für geschmeidige Hartkäse (wie Emmentaler oder Gruyère).LHTBM: Wird extrem gerne für typischen Schnittkäse mit feiner Lochung und cremig-mildem Aroma verwendet (die „BM“-Komponenten bilden vermehrt feines Aroma und CO₂, was für eine schöne Schlitzlochung sorgt).
- Was sie machen: Sie bauen Eiweiß während der Reifung sehr intensiv ab, was den Käse geschmeidig macht und ihm eine leicht süßliche, nussige Note verleiht.
II. Die Reifungs- & Schimmelkulturen (Für Rinde, Farbe & Geschmack)
These Kulturen werden in der Regel zusammen mit einer der obigen Säuerungskulturen (meist ME oder TME) verwendet. Sie säuern die Milch nicht selbst, sondern wachsen während der Reifung außen auf dem Käse.
5. Weißschimmel (Penicillium candidum)
- Wofür: Für Klassiker wie Camembert, Brie und andere weiße Schimmelkäse.
- Was er macht: Er bildet nach einigen Tagen einen dichten, schneeweißen Pilzrasen auf der Käseoberfläche. Er schützt den Käse, entsäuert die Rinde und sorgt dafür, dass der Käse von außen nach innen wunderbar cremig und weich reift (mit dem typischen Champignon-Aroma).
6. Rotschmierkultur (Brevibacterium linens)
- Wofür: Für kräftige Rotschmierkäse wie Tilsiter, Limburger, Münster, Appenzeller oder Bergkäse.
- Was sie macht: Diese Bakterien wachsen, wenn die Käserinde regelmäßig mit Salzwasser gepflegt wird. Sie bilden eine feuchte, orange-rötliche Rinde, schützen den Käse vor unerwünschtem Schimmel und verleihen ihm sein typisches, herzhaft-würziges (manchmal sehr kräftiges) Aroma.
7. Rotschmierkultur mit Geotrichum (Brevibacterium linens + Geotrichum candidum)
- Wofür: Für französische Weichkäse (wie Reblochon oder Pont-l'Évêque) und viele feine Ziegenkäse.
- Was sie macht: Der Hefe-Pilz Geotrichum candidum besiedelt die Käserinde extrem schnell als Erster. Er bildet einen ganz feinen, samtigen, weißlichen Schleier. Er neutralisiert die Säure an der Oberfläche und bereitet den perfekten Nährboden vor, damit sich die Rotschmierbakterien (B. linens) danach optimal ansiedeln können. Zudem verhindert Geotrichum, dass die Rinde schmierig-nass wird oder wilder Schimmel wächst.
- Unterschied (mit/ohne Geotrichum):Ohne Geotrichum: Die Rinde wird feuchter, schmieriger und braucht länger in der Entwicklung (eher für klassische Schnitt- und Hartkäse).Mit Geotrichum: Die Rinde reift schneller, bleibt samtiger, trockener und entwickelt ein feineres, leicht hefig-fruchtiges Aroma (perfekt für Weich- und Ziegenkäse).
8. Propionsäurebakterien (Propionibacterium freudenreichii)
- Wofür: Typisch für Großloch-Käse wie Emmentaler oder Maasdammer.
- Was sie machen: Diese Bakterien „atmen“ die von den Säuerungskulturen gebildete Milchsäure ein und verwandeln sie in Propionsäure und Kohlendioxid-Gas (CO2). Da das Gas nicht durch die feste Käserinde entweichen kann, sammelt es sich im Teig und bläst die typischen großen, runden Löcher in den Käse. Gleichzeitig entsteht dadurch der unvergleichlich nussige, süßliche Geschmack.
Gerne! Damit ist deine Kulturen-Sammlung komplett. Hier sind die Erklärungen zu Blauschimmel und Kefir, wunderschön aufbereitet:
9. Blauschimmel (Penicillium roqueforti)
- Art: Eine spezialisierte Reifungsschimmel-Kultur (Edelschimmel).
- Wofür: Für berühmte Edelpilzkäse wie Roquefort, Gorgonzola, Stilton oder bayerischen Blauschimmelkäse.
- Was er macht: Im Gegensatz zum Weißschimmel, der nur auf der Oberfläche wächst, benötigt Blauschimmel Sauerstoff im Inneren des Käses. Deshalb wird der Käsebruch beim Abfüllen locker geschichtet und der Käselaib während der Reifung mit dicken Nadeln pikiert (durchstochen), damit Luft eindringen kann. Der Blauschimmel wächst dann entlang dieser Luftkanäle von innen heraus. Er baut das Fett im Käse intensiv ab (Lipolyse), was dem Blauschimmelkäse seine typische Cremigkeit, die markante blaue Äderung und sein unverwechselbares, pikant-würziges Aroma verleiht.
10. Kefirkultur (Kefirpilz / Kefirknollen)
- Art: Eine faszinierende, komplexe Symbiose aus verschiedenen Milchsäurebakterien (mesophil und thermophil) und speziellen Hefen (wie Saccharomyces kefir).
- Wofür: Ausschließlich für die Herstellung von traditionellem Kefir (bei Raumtemperatur, ca. 20–22 °C).
- Was sie macht: Während normale Joghurtbakterien die Milch rein milchsauer vergären, macht die Kefirkultur etwas ganz Besonderes: Die enthaltenen Hefen starten zusätzlich eine ganz leichte alkoholische Gärung. Sie spalten den Milchzucker auf und erzeugen dabei winzige Mengen Kohlensäure (CO2) und minimale Spuren von Alkohol (meist unter 0,5 %). Das Ergebnis ist ein herrlich erfrischendes, leicht prickelndes, dickflüssiges Milchgetränk mit einem fein-hefigen, spritzigen Geschmack – im Kaukasus auch als „Getränk der Hundertjährigen“ bekannt.